Depot kündigen auf einen Blick
Ein Wertpapierdepot kannst du in der Regel jederzeit ohne Kündigungsfrist kündigen. Der Depotvertrag ist ein Geschäftsbesorgungsvertrag (§ 675 BGB) und mangels fester Laufzeit jederzeit kündbar — einzelne Banken sehen in ihren AGB kurze Fristen vor. Vor der Kündigung entscheidest du: Wertpapiere verkaufen und auszahlen lassen (löst Kapitalertragsteuer aus) oder kostenlos auf ein anderes Depot übertragen. (Stand: Juli 2026)
Auszahlen oder übertragen? Die wichtigste Entscheidung zuerst
Bevor du die Kündigung abschickst, musst du festlegen, was mit deinen Wertpapieren passieren soll. Ein Depot kann nur geschlossen werden, wenn es leer ist — dafür gibt es zwei Wege:
- Verkaufen und auszahlen lassen: Du gibst mit der Kündigung den Auftrag, alle Positionen zu verkaufen und den Erlös auf dein Referenzkonto zu überweisen. Einfach, aber steuerlich relevant: Auf Kursgewinne fällt Kapitalertragsteuer an (dazu unten mehr).
- Übertragen auf ein anderes Depot: Deine Wertpapiere wandern unverkauft zum neuen Anbieter. Der Übertrag auf ein eigenes Depot löst keine Steuer aus, und die Bank darf dafür kein Entgelt verlangen — das hat der Bundesgerichtshof entschieden (BGH, Urteil vom 30.11.2004, XI ZR 200/03).
Faustregel: Brauchst du das Geld, verkaufe gezielt. Willst du nur die Bank wechseln (z. B. wegen hoher Depotgebühren), übertrage — so bleiben Einstandskurse und Steuervorteile erhalten.
Depot kündigen und auszahlen lassen — Schritt für Schritt
- Referenzkonto prüfen: Der Verkaufserlös geht auf das hinterlegte Verrechnungs- oder Referenzkonto. Stelle sicher, dass es aktuell ist — sonst hängt die Auszahlung.
- Verkaufsauftrag erteilen: Entweder verkaufst du alle Positionen selbst vor der Kündigung (volle Kontrolle über Kurs und Zeitpunkt) oder du beauftragst den Verkauf im Kündigungsschreiben („bestens" = zum nächsten erzielbaren Kurs).
- Kündigung in Textform senden: Schriftlich per Brief oder — wenn die Bank es anbietet — über das Online-Postfach. Pflichtangaben: Name, Adresse, Depotnummer, Verrechnungskonto, IBAN für die Auszahlung, Unterschrift (bei Gemeinschaftsdepots: beide Inhaber!).
- Verlustbescheinigung anfordern (falls relevant): Hast du Verluste im Verlustverrechnungstopf, beantrage mit der Kündigung eine Verlustbescheinigung — sonst kannst du sie nicht in der Steuererklärung mit Gewinnen bei anderen Banken verrechnen. Stichtag für das laufende Jahr ist der 15. Dezember (§ 43a Abs. 3 EStG).
- Bestätigung und Schlussabrechnung aufbewahren: Die Bank bestätigt die Auflösung und erstellt eine Abrechnung inkl. Steuerbescheinigung — wichtig für die Steuererklärung.
Welche Steuern fallen beim Depot auflösen an?
Der Verkauf deiner Wertpapiere ist ein steuerpflichtiger Vorgang — die Kündigung selbst nicht. Konkret gilt (Stand: Juli 2026):
- Kapitalertragsteuer: Auf realisierte Kursgewinne, Zinsen und Dividenden fallen 25 % Abgeltungsteuer an, plus 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf und ggf. Kirchensteuer (§ 43, § 32d EStG). Die Bank führt die Steuer automatisch ab.
- Sparerpauschbetrag: 1.000 € pro Person und Jahr, 2.000 € bei Zusammenveranlagung (§ 20 Abs. 9 EStG). Prüfe vor dem Verkauf, ob dein Freistellungsauftrag bei der Bank hinterlegt und richtig verteilt ist.
- Alt-Anteile vor 2009: Aktien und Fondsanteile, die vor dem 1. Januar 2009 gekauft wurden, genießen Bestandsschutz. Bei Fonds gilt seit der Investmentsteuerreform: Wertsteigerungen ab 2018 sind bis zu einem persönlichen Freibetrag von 100.000 € steuerfrei. Solche Alt-Bestände solltest du im Zweifel übertragen statt verkaufen — beim Verkauf ist der Vorteil unwiderruflich verbraucht.
- Verlustverrechnungstöpfe: Bei einem vollständigen Depotübertrag auf dich selbst wandern die Verlusttöpfe mit. Bei Auszahlung/Auflösung brauchst du die Verlustbescheinigung (siehe Schritt 4).
Depot übertragen statt auszahlen: so läuft der Wechsel
Der Depotübertrag ist der bessere Weg, wenn du investiert bleiben willst. Ablauf: Du eröffnest zuerst das neue Depot und stößt den Übertrag beim neuen Anbieter an — der übernimmt die Kommunikation mit deiner alten Bank. Innerhalb Deutschlands ist der Übertrag kostenlos (BGH XI ZR 200/03); er dauert je nach Bank ein bis vier Wochen. Erst wenn alle Positionen drüben sind, kündigst du das alte, leere Depot. Während des Übertrags sind die Papiere vorübergehend nicht handelbar — plane das bei volatilen Positionen ein.
Anbieter-Besonderheiten: Deka, Union Investment, Consorsbank, Sparkasse & Co.
Deka Depot kündigen (DekaBank / Sparkasse)
Das DekaBank Depot läuft meist über deine Sparkasse. Kündigen kannst du direkt bei der DekaBank (schriftlich, mit Depotnummer und Unterschrift) oder über deinen Sparkassen-Berater. Die Kündigung selbst ist kostenlos. Wichtige Ausnahme — offene Immobilienfonds (z. B. Deka-ImmobilienEuropa): Hier gelten gesetzliche Fristen nach § 255 KAGB — 24 Monate Mindesthaltefrist und 12 Monate Rückgabefrist. Du musst die Rückgabe der Anteile also ein Jahr im Voraus unwiderruflich erklären. Wer nicht warten will, kann die Anteile alternativ über die Börse verkaufen — dort jederzeit möglich, aber oft mit Kursabschlag gegenüber dem Rücknahmepreis.
Union Investment Depot kündigen (UnionDepot / Volksbank)
Das UnionDepot wird über die Volks- und Raiffeisenbanken vertrieben. Die Kündigung richtest du schriftlich an die Union Investment Service Bank AG oder an deine Volksbank. Auch hier gilt: Fondsanteile werden zum nächsten Rücknahmepreis zurückgegeben; für offene Immobilienfonds (z. B. UniImmo) gelten dieselben KAGB-Fristen wie bei der Deka.
Consorsbank Depot kündigen
Bei der Consorsbank kündigst du das Depot formlos in Textform — per Nachricht aus dem Online-Postfach oder per Brief. Gib an, ob Restbestände verkauft oder übertragen werden sollen und wohin das Guthaben des Verrechnungskontos fließen soll. Ein separates Formular ist nicht zwingend; ein rechtssicheres Kündigungsschreiben als PDF reicht.
Sparkasse Depot kündigen
Das klassische Sparkassen-Depot (DekaBank-Verwahrung oder S Broker) kündigst du in der Filiale, per Brief oder teils im Online-Banking. Bei Filial-Kündigung bekommst du die Bestätigung direkt mit. Prüfe vorher anteilige Depotgebühren: Viele Sparkassen erstatten das laufende Jahr nicht anteilig — ein Kündigungstermin zum Jahresende kann bares Geld sparen.
Deutsche Bank Depot kündigen
Die Deutsche Bank stellt für die Depotauflösung ein eigenes Formular bereit, akzeptiert aber auch ein formloses Kündigungsschreiben in Textform mit Depotnummer, Verkaufs- bzw. Übertragungsauftrag und Unterschrift. Online-Depots (maxblue) lassen sich über das Postfach kündigen.
Sonderfall VL-Depot: Kündigung in der Sperrfrist
Fonds-Sparpläne mit vermögenswirksamen Leistungen (VL/VWL, z. B. bei Deka oder Union Investment) haben eine 7-jährige Bindung: 6 Jahre Einzahlung plus Ruhejahr. Kündigen kannst du trotzdem jederzeit — aber bei vorzeitiger Verfügung verlierst du in der Regel die staatliche Arbeitnehmersparzulage (§ 13 Abs. 5 des 5. VermBG). Ausnahmen gelten u. a. bei längerer Arbeitslosigkeit oder Erwerbsunfähigkeit. Rechne vor der Kündigung nach, ob sich das Warten bis zum Ende der Sperrfrist lohnt.
Depot kündigen: Vorlage (Mustertext)
Muster — Depot kündigen und auszahlen lassen:
[Dein Name]
[Straße, PLZ Ort]
[Datum][Name der Bank / Fondsgesellschaft]
[Adresse]Betreff: Kündigung meines Depots Nr. [Depotnummer] mit Verkaufsauftrag
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit kündige ich mein oben genanntes Wertpapierdepot einschließlich des zugehörigen Verrechnungskontos zum nächstmöglichen Termin. Ich beauftrage Sie, sämtliche Bestände bestens zu verkaufen und den Erlös sowie ein etwaiges Guthaben auf folgendes Konto zu überweisen: [IBAN, Kontoinhaber].
Bitte stellen Sie mir eine Verlustbescheinigung gemäß § 43a Abs. 3 EStG sowie die Schlussabrechnung aus und bestätigen Sie mir die Auflösung schriftlich.
Mit freundlichen Grüßen
[Unterschrift — bei Gemeinschaftsdepot: beide Inhaber]
Noch schneller: Mit unserem Kündigungsgenerator erstellst du in wenigen Minuten ein fertiges Depot-Kündigungsschreiben als PDF — mit den korrekten Pflichtangaben, deinem Verkaufs- oder Übertragungsauftrag und der richtigen Anbieter-Adresse zum Ausdrucken oder für den Versand aus dem Online-Postfach.
Häufige Fehler bei der Depotauflösung
- Gemeinschaftsdepot mit nur einer Unterschrift gekündigt — die Bank weist die Kündigung zurück. Immer beide Inhaber unterschreiben lassen.
- Verkauf ohne Blick auf den Freistellungsauftrag — die Bank zieht Steuer ab, die du dir erst über die Steuererklärung zurückholen musst.
- Alt-Anteile (vor 2009) verkauft statt übertragen — der Bestandsschutz ist unwiderruflich verloren.
- Immobilienfonds-Fristen übersehen — die Rückgabe offener Immobilienfonds braucht 12 Monate Vorlauf (§ 255 KAGB); die Depot-Kündigung ändert daran nichts.
- Depot gekündigt, solange noch Positionen drin sind — die Bank kann erst schließen, wenn das Depot leer ist; die Kündigung bleibt in der Schwebe.
Häufige Fragen zum Depot kündigen
Kann ich mein Depot jederzeit kündigen?
Ja, in der Regel schon. Der Depotvertrag ist ein Geschäftsbesorgungsvertrag (§ 675 BGB) ohne feste Laufzeit und damit jederzeit ordentlich kündbar. Einzelne Banken sehen in ihren AGB kurze Kündigungsfristen vor — ein Blick ins Preis- und Leistungsverzeichnis schafft Klarheit. Kosten darf die Kündigung selbst nicht verursachen.
Wie lange dauert es, bis das Geld nach der Depotauflösung da ist?
Nach dem Verkauf werden Wertpapiergeschäfte üblicherweise in zwei Bankarbeitstagen abgewickelt. Danach überweist die Bank den Erlös auf dein Referenzkonto. Realistisch bist du bei einer reinen Auszahlung nach ein bis zwei Wochen durch; ein Depotübertrag dauert ein bis vier Wochen.
Was kostet es, ein Depot zu kündigen?
Nichts. Die Kündigung des Depots ist kostenlos, und auch für den Übertrag von Wertpapieren auf ein anderes deutsches Depot darf die Bank kein Entgelt berechnen (BGH, Urteil vom 30.11.2004, XI ZR 200/03). Anfallen können nur reguläre Verkaufsgebühren, wenn du Positionen veräußerst, sowie ggf. anteilige Depotgebühren bis zum Auflösungstermin.
Depot kündigen und auszahlen lassen — muss ich die Wertpapiere vorher selbst verkaufen?
Nein. Du kannst den Verkauf im Kündigungsschreiben mit beauftragen („sämtliche Bestände bestens verkaufen"). Wer den Verkaufszeitpunkt und Limit-Kurse selbst steuern will, verkauft besser vorab einzeln und kündigt danach das leere Depot.
Gibt es eine Depot-Kündigung als Vorlage (PDF oder Word)?
Ja — den Mustertext oben kannst du direkt übernehmen. Individueller und rechtssicher geht es mit dem Kündigungsgenerator: Depotnummer, Auszahlungs-IBAN und Verkaufs- oder Übertragungsauftrag eintragen, fertiges PDF herunterladen und per Brief oder Online-Postfach an die Bank senden.
Was passiert mit meinem Verrechnungskonto?
Das Verrechnungskonto gehört zum Depot und wird mit aufgelöst. Restguthaben überweist die Bank auf die von dir angegebene IBAN. Gib deshalb im Kündigungsschreiben immer ein Auszahlungskonto an — sonst fragt die Bank nach und die Auflösung verzögert sich.



